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Instagram, TikTok und YouTube in der Search Console messen

09.07.2026 Pitt Berger, Online-Marketing-Experte 10 Min. Lesezeit

Von Pitt Berger, Online-Marketing-Experte bei digitalreach.

Ein Heizungsbauer aus Herford veröffentlicht ein kurzes Video zur Wärmepumpen-Wartung. Ein Möbelhaus aus Bünde zeigt auf Instagram neue Esszimmer-Ideen. Ein Friseur aus Minden beantwortet auf TikTok die Frage, wie lange Balayage wirklich hält.

Bisher war oft unklar, ob solche Inhalte auch über Google gefunden werden. Genau dort setzt eine neue Funktion in der Google Search Console an.

Google hat am 7. Juli 2026 eine neue Auswertung für Plattform-Profile angekündigt, die Google „Platform Properties“ nennt. Damit lassen sich Instagram-, TikTok-, X- und YouTube-Inhalte in der Search Console auswerten, wenn sie über Google Search und gegebenenfalls über Discover oder Google News gefunden werden. Der Rollout läuft schrittweise über mehrere Wochen, die Funktion ist also nicht überall sofort sichtbar.

Kurz erklärt: Was sind Platform Properties?

Platform Properties sind ein neuer Property-Typ in der Google Search Console. Damit können Betreiber einzelner Instagram-, TikTok-, X- oder YouTube-Accounts sehen, wie Inhalte dieser Accounts in Google Search und gegebenenfalls Discover oder News gefunden werden. Gemessen werden Klicks, Impressionen, Klickrate, Suchanfragen und sichtbare Inhalte bei Google. Nicht gemessen werden Views, Likes, Follower oder Ausspielungen innerhalb der jeweiligen Plattform.

In unserer Praxis sehen wir vor allem eins: Social Media und SEO werden bei Kunden meistens getrennt geplant und mit anderen Zielen bewertet. Die neue Search-Console-Funktion ändert daran nicht automatisch etwas. Sie hilft aber dabei zu sehen, welche Social-Media-Beiträge und Videos über Google gefunden werden. Davon können Handwerk, Handel, Dienstleister und mittelständische Betriebe profitieren, wenn vorher klar ist, was ein Inhalt leisten soll. Die größte Gefahr sind falsche Ziele und falsche Kennzahlen.

Google zeigt mehr Sichtbarkeit außerhalb der eigenen Website

Die Search Console war lange vor allem das Werkzeug für die eigene Website. Man sieht dort unter anderem, über welche Suchanfragen Nutzer auf Seiten stoßen, wie viele Klicks entstehen, wie oft Ergebnisse eingeblendet werden und wie sich die durchschnittliche Position entwickelt.

Mit Platform Properties wird dieses Prinzip auf bestimmte Plattform-Accounts erweitert. Ein Betrieb kann also nicht nur seine Website-Property auswerten, sondern auch einen Instagram-Account, einen TikTok-Account, ein X-Profil oder einen YouTube-Kanal separat hinzufügen.

Wichtig ist das Wort separat. Jeder Account oder Kanal muss als eigene Property angelegt und autorisiert werden. Google schreibt außerdem, dass Eigentümerschaft und Verbindung regelmäßig geprüft werden. Wenn eine Verbindung ausläuft, muss sie erneuert werden.

Für lokale Betriebe ist das keine neue Pflichtaufgabe für jeden Montagmorgen. Am Anfang reicht: einrichten, vier Wochen beobachten und danach monatlich etwa 30 Minuten auswerten. Wichtig ist nur, dass klar bleibt, wer Zugriff auf die Plattform-Accounts hat und wer die Verbindung zur Search Console pflegt. Dann wird aus der Funktion keine neue Dauerbaustelle, sondern eine bessere Datengrundlage für eine Frage, die viele ohnehin stellen: Lohnt sich der Aufwand für Videos und Social Posts auch außerhalb der Plattform selbst?

Die neue Auswertung misst Google, nicht Instagram oder TikTok

Der häufigste Denkfehler liegt schon im ersten Blick auf die Zahlen. Platform Properties zeigen nicht, wie oft ein TikTok-Video auf TikTok ausgespielt wurde. Sie zeigen auch nicht, wie viele Menschen einen Instagram-Post im Instagram-Feed gesehen haben.

Gemessen wird nicht die Social-Media-Reichweite selbst, sondern ob Inhalte aus diesen Accounts bei Google erscheinen, welche Suchanfragen sie auslösen, wie oft sie eingeblendet werden und ob Nutzer aus Google heraus klicken.

Das kann die klassische Suche sein. Es kann Discover sein, also der personalisierte Google-Feed mit Artikeln und Videos. Bei passenden Inhalten und erfüllten Voraussetzungen kann auch Google News eine Rolle spielen. Google weist selbst darauf hin, dass Discover-Traffic weniger planbar ist als Such-Traffic über konkrete Begriffe.

Das ist für die Bewertung entscheidend. Wenn ein Video auf TikTok gut läuft, aber in Google keine Impressionen sammelt, ist es nicht automatisch schlecht. Es erfüllt vielleicht nur einen anderen Zweck. Umgekehrt kann ein eher nüchterner Erklärclip über Google langfristig gefunden werden, obwohl er in Social Media nie viral war.

Für Betriebe in OWL ist genau diese Unterscheidung hilfreich. Ein Reel aus der Werkstatt kann Nähe schaffen. Ein YouTube-Short zur Wartung kann Fragen beantworten. Ein Instagram-Post zu Öffnungszeiten vor den Feiertagen kann Service sein. Nicht jeder Inhalt muss sofort neue Anfragen bringen.

Die neuen Berichte helfen beim Priorisieren

Google teilt die Auswertung in drei Bereiche: Leistungsdaten, Einblicke und erreichte Meilensteine. In der Search Console heißen sie Performance Report, Insights Report und Achievements.

Im Performance Report stehen Kennzahlen wie Klicks, Impressionen, durchschnittliche Klickrate und durchschnittliche Position. Die Klickrate, oft CTR genannt, beschreibt den Anteil der Nutzer, die nach einer Einblendung auch geklickt haben. Außerdem lassen sich Inhalte und Suchanfragen filtern, um zu erkennen, welche Posts oder Videos über Google Aufmerksamkeit bekommen.

Der Insights Report verdichtet die Entwicklung. Dort geht es um Trends, Top-Inhalte und darum, wie Menschen die Inhalte auf Google entdecken. Achievements zeigen Produkt-Meilensteine, zum Beispiel erreichte Klick-Schwellen in der Search Console. Der Standard-Zeitraum liegt laut Google-Hilfe bei 28 Tagen.

Das klingt technisch, ist aber im Kern eine einfache Redaktionsfrage: Welche Inhalte verdienen mehr Aufmerksamkeit?

Wenn ein Sanitärbetrieb sieht, dass ein Video zu „Kalk in der Dusche entfernen“ viele Impressionen bekommt, aber kaum Klicks, ist der Inhalt offenbar auffindbar, aber die Ursache muss genauer geprüft werden. Dann geht es um Suchintention, durchschnittliche Position und - soweit beeinflussbar - Titel, Vorschaubild oder Einstieg. Wenn ein YouTube-Video zu „Heizung macht Geräusche“ regelmäßig Klicks bringt, kann daraus ein ausführlicher Ratgeber auf der Website werden.

Die neue Auswertung ist damit kein Ersatz für Strategie. Sie zeigt nur besser, wo sich Nacharbeit lohnt.

Likes und Follower sind keine Suchstrategie

Viele Social-Media-Auswertungen hängen an Zahlen, die gut aussehen, aber für lokale Nachfrage wenig sagen. Likes, Follower und Views können wertvoll sein. Sie zeigen Reichweite, Resonanz oder Markenbekanntheit. Sie versprechen aber keine besseren Website-Rankings bei Google.

Google sagt mit Platform Properties nicht: Wer mehr auf Instagram postet, rankt automatisch besser mit seiner Website. Es gibt auch kein Signal, dass Likes oder Follower plötzlich ein Rankingversprechen für lokale Suchergebnisse wären.

Für Betriebe ist das entlastend. Niemand muss jetzt zusätzlich jeden Kanal bespielen, nur weil Google neue Berichte anbietet.

Die bessere Frage lautet: Welcher Inhalt hilft welchem Ziel?

Erst wenn das Ziel klar ist, werden die Kennzahlen lesbar. Ein Recruiting-Video muss nicht dieselben Werte liefern wie ein Erklärvideo zur Dachsanierung. Ein saisonaler Post zum Winterschutz für Wasserleitungen hat einen anderen Rhythmus als ein Imagevideo.

Erklärclips sind oft der beste erste Inhalt

Wenn wenig Zeit da ist, würde ich nicht mit aufwendigen Kampagnen starten. Ich würde mit Erklärclips beginnen.

Ein Erklärclip beantwortet eine echte Kundenfrage in 30 bis 90 Sekunden. Nicht perfekt inszeniert, aber fachlich sauber. Für einen Dachdecker kann das heißen: „Woran erkenne ich einen Sturmschaden am Dach?“ Für eine Augenoptik: „Wann lohnt sich eine Arbeitsplatzbrille?“ Für ein Möbelhaus: „Welche Tischgröße passt zu sechs Personen?“

Solche Inhalte haben drei Vorteile. Sie entstehen aus Beratungsgesprächen, die Betriebe ohnehin täglich führen. Sie helfen Menschen vor einer Kaufentscheidung. Und sie können auf mehreren Wegen genutzt werden: als YouTube-Video, Instagram-Reel, TikTok-Clip, Website-Ergänzung oder Beitrag im Google Business Profile. Genau deshalb lohnt es sich, konkrete Kundenfragen zitierfähig zu beantworten, statt nur für den nächsten Feed-Moment zu produzieren.

Die Zahlen stützen den grundsätzlichen Bedarf, auch wenn sie unterschiedliche Gruppen betrachten. Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2025 nutzen 63 Prozent der Menschen ab 14 Jahren soziale Netzwerke mindestens wöchentlich. YouTube kommt in dieser Studie auf 46 Prozent wöchentliche Nutzung. Destatis meldete 2026 für das Jahr 2025, dass 59 Prozent der 16- bis 74-Jährigen soziale Medien privat aktiv nutzen, allerdings stark altersabhängig.

Das heißt nicht, dass jeder Betrieb auf jeder Plattform sein muss. Es heißt nur: Kunden informieren sich längst über mehrere Formate hinweg. Wer dort hilfreiche Antworten gibt, kann seine Auffindbarkeit über Google-Ergebnisse und seine Glaubwürdigkeit unterstützen.

Das Google Business Profile bleibt zuerst dran

Für lokale Betriebe darf die neue Search-Console-Funktion nicht den Blick auf das Naheliegende verstellen. Wer in Herford, Bielefeld, Detmold, Minden oder Gütersloh gefunden werden will, braucht zuerst ein sauber geprüftes und optimiertes Google Business Profile.

Das Profil ist für lokale Suchen oft näher am Kunden als ein Social-Media-Post. Öffnungszeiten, Adresse, Telefonnummer, Leistungen, Bewertungen, Fotos und Videos entscheiden mit darüber, ob aus einer Suche ein Anruf, eine Route oder ein Besuch wird. Google empfiehlt vollständige und korrekte Unternehmensdaten, Verifizierung und aktuelle Informationen. Für lokale Rankings nennt Google vor allem Relevanz, Entfernung und Bekanntheit.

Die richtige Reihenfolge bei wenig Zeit ist deshalb klar:

  1. Google Business Profile prüfen und aktualisieren.
  2. Bestehende Instagram-, TikTok-, X- oder YouTube-Accounts in der Search Console verbinden.
  3. Danach entscheiden, welche Inhalte gezielt ausgebaut werden.

Das ist pragmatischer als sofort neue Kanäle zu starten. Viele Betriebe haben bereits Videos, Reels oder Posts. Die neue Aufgabe besteht zuerst darin, diese vorhandenen Inhalte messbar zu machen.

Die Auswertung braucht einen nüchternen Blick

Nach der Einrichtung kann es ein paar Tage dauern, bis Daten sichtbar werden. Neue Properties zeigen am Anfang unter Umständen leere oder nur teilweise gefüllte Diagramme. Außerdem ist der 28-Tage-Blick für manche Branchen zu kurz.

Ein Bestatter, ein Maschinenbauer oder ein spezialisierter B2B-Dienstleister wird andere Suchmuster sehen als ein Restaurant oder ein Friseursalon. Saisonale Themen verzerren ebenfalls. Ein Gartenbau-Video kann im April ganz andere Werte haben als im November.

Darum sollten Betriebe die Daten nicht täglich überinterpretieren. Sinnvoller ist ein monatlicher Blick auf drei Fragen:

Mehr braucht es am Anfang nicht. Wer direkt Dashboards baut, bevor klar ist, welche Entscheidung aus den Daten folgen soll, produziert Arbeit statt Erkenntnis.

Viele Unternehmen nutzen soziale Medien längst

Bitkom meldete 2025, dass 80 Prozent der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten mindestens ein Social-Media-Profil haben. YouTube wurde von 43 Prozent genannt, Instagram von 35 Prozent, TikTok von 22 Prozent. Die Ziele unterscheiden sich stark: Bekanntheit, Marke und Produkte, Kundenservice oder Recruiting.

Genau deshalb ist die neue Google-Funktion interessant. Sie zwingt Social Media und Suche nicht in eine Schublade. Sie macht nur einen bisher schlecht sichtbaren Teil messbar: Was passiert, wenn Social- und Video-Inhalte in Google auftauchen?

Für einen regionalen Betrieb kann das helfen, die nächsten Beiträge und Videos sinnvoller zu planen. Ein Video, das über Google zu einer konkreten Frage gefunden wird, ist anders zu bewerten als ein Post, der nur am Veröffentlichungstag Aufmerksamkeit bekommt. Ein Inhalt mit vielen Impressionen und schwacher Klickrate braucht andere Arbeit als ein Inhalt mit wenigen Impressionen, aber guter Klickrate; bei sehr kleinen Zahlen sollte man daraus aber noch keine großen Schlüsse ziehen.

So wird klarer, woran man zuerst arbeiten sollte. Nicht aus Bauchgefühl, sondern aus einer Mischung aus Kundennähe und Daten.

Betriebe sollten jetzt klein, aber sauber starten

Platform Properties sind kein Grund für Hektik. Sie sind ein Anlass, Social- und Video-Inhalte ernster auszuwerten.

Der beste Einstieg ist überschaubar: Google Business Profile prüfen, bestehende Plattform-Accounts verbinden, vier Wochen Daten sammeln und dann die Top-Inhalte ansehen. Danach sollten Betriebe nicht fragen, welcher Post „gewonnen“ hat, sondern welcher Inhalt ein echtes Kundenthema berührt.

Wenn ein Inhalt hilft, eine häufige Frage zu beantworten, Vertrauen aufzubauen oder eine regionale Leistung verständlicher zu machen, lohnt sich die nächste Version. Wenn ein Inhalt nur Zahlen sammelt, aber kein Ziel erfüllt, bleibt er Dekoration.

Für Handwerk, Handel und Dienstleister in OWL ist das die eigentliche Chance: Nicht mehr posten, nur damit etwas online geht, sondern gezielter entscheiden, welche Themen Kunden wirklich weiterbringen.

Häufige Fragen

Was sind Platform Properties in der Google Search Console?

Platform Properties sind eigene Search-Console-Properties für Instagram-, TikTok-, X- und YouTube-Accounts. Sie zeigen, wie Inhalte dieser Accounts bei Google gefunden werden.

Welche Plattformen unterstützt Google?

Google nennt zum Start Instagram, TikTok, X und YouTube. Jeder Account oder Kanal muss separat hinzugefügt und autorisiert werden.

Was messen Platform Properties?

Sie messen Google-Sichtbarkeit: Klicks, Impressionen, Klickrate, Suchanfragen, sichtbare Inhalte und Entwicklungen innerhalb der Search Console.

Was messen Platform Properties nicht?

Sie messen keine Views, Likes, Follower oder Ausspielungen innerhalb von Instagram, TikTok, X oder YouTube.

Verbessern Instagram- oder TikTok-Posts dadurch das Google-Ranking meiner Website?

Nein. Google verspricht damit keine besseren Website-Rankings. Die Funktion macht Sichtbarkeit messbar, sie ist kein Rankinghebel.

Was sollten lokale Betriebe zuerst tun?

Zuerst das Google Business Profile prüfen, dann vorhandene Plattform-Accounts verbinden und danach entscheiden, welche Inhalte gezielt verbessert oder ausgebaut werden.

Quellen

Google Search Console Local SEO Instagram TikTok YouTube Betriebe

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